Übungen für Anfänger

Yoga-Atemübungen für Anfänger: Von der Bauchatmung zur Wechselatmung

Im Yoga sollte sich der Atem angenehm und mühelos anfühlen, niemals angespannt. Bei den folgenden Atemübungen sind Regelmäßigkeit und Leichtigkeit wichtiger als Intensität. Beginne sanft, atme durch die Nase und halte den Atem langsam und rhythmisch an. Wenn Anspannung entsteht, verkürze die Übung, reduziere die Intesität und warte bis Dein Atem wieder ruhig und natürlich fließt, bevor Du weitermachst.

Vorbereitung

  1. Beginne in der Totenstellung (Savasana) für etwa 2–3 Minuten. Lass den Körper zur Ruhe kommen und erlaube dem Atem, ruhig und natürlich zu fließen.
  2. Halte Deine Praxis einfach und gleichmäßig. Kurze Einheiten, die regelmäßig geübt werden, sind wirkungsvoller als zu viel auf einmal zu üben.
  3. Beende die Praxis wieder mit Savasana. Liege still und spüre nach, wie sich die Wirkung der Übungen im ganzen Körper ausbreitet.

Inhalte

Übung 1: Bauchatmung (Grundlage)

Die Bauchatmung ist der wichtigste Ausgangspunkt im Yoga. Sie hilft Dir, mit dem Zwerchfell zu atmen und den unteren, größten Bereich der Lungen zu nutzen.

Warum diese Übung als erstes kommt

Die Bauchatmung ist eine vorbereitende Technik für alle Yoga-Atemübungen. Sie hilft, ein natürlicheres Atemmuster wiederherzustellen, indem unnötige Spannungen im Bauchraum gelöst werden.

So übst Du die Yoga Bauchatmung

  1. Lege Dich in Savasana (Totenstellung) auf den Rücken, oder setze Dich bequem mit aufgerichteter Wirbelsäule hin.
  2. Entspanne die Bauchmuskeln und lasse den Bauch weich werden.
  3. Atme langsam und rhythmisch und richte Deine Aufmerksamkeit auf den Bauchraum.
  4. Spüre, wie sich der Bauch beim Einatmen sanft hebt und beim Ausatmen wieder senkt.
  5. Übe etwa 1 Minute, und lege anschließend eine kurze Pause ein.

Tipp: Lege beide Hände mit gespreizten Fingern auf Deinen Bauch, sodass sie den Bereich zwischen der ersten Rippe und dem Becken bedecken. Spüre, wie sich der Bauch beim Einatmen sanft hebt und beim Ausatmen wieder senkt.

Die Vorteile der Bauchatmung

Die Bauchatmung bildet die Grundlage, weil sie ein natürlicheres und effizienteres Atemmuster wiederherstellt.

  • Fördert eine effizientere Atmung, indem sie die Zwerchfellatmung unterstützt und eine bessere Belüftung der unteren Lungenbereiche ermöglicht.
  • Löst Spannungen im Bauch- und Solarplexusbereich, die oft durch Stress entstehen und zu flacher Atmung beitragen.
  • Unterstützt einen ruhigeren und gleichmäßigeren Atemrhythmus, wodurch sie eine ideale Vorbereitung für weitere Atemtechniken im Yoga ist.
  • Schafft die Basis für tiefere Yoga Atemtechniken, da sie das grundlegende Bewegungsmuster für die vollständige yogische Atmung und für Pranayama vermittelt.

Übung 2: Die vollständige Yoga-Atmung (Grundtechnik)

Die vollständige yogische Atmung – auch dreiteilige Atmung genannt – ist eine Übung, die Dich dazu anleitet, alle Bereiche der Lungen zu nutzen: den unteren, mittleren und oberen Teil. Dabei sollte der Atem stets weich, ruhig und fließend bleiben.

So übst Du

    1. Setze dich bequem hin oder lege dich in Savasana (Totenstellung).
    2. Einatmen in drei Phasen:
      • Expandiere den Bauch.
      • Weite den Brustkorb.
      • Hebe und erweitere den Bereich der Schlüsselbeine.
    3. Ausatmen in drei Phasen:
      • Lass den Bauch sich wieder locker senken.
      • Dann senkt sich der Brustkorb.
      • Beende die Ausatmung mit einer leichten Bauchmuskelkontraktion, um die Lungen möglichst vollständig zu leeren.
    4. Wiederhole die Übung einige Atemrunden lang und halte den Atem dabei sanft, ruhig und rhythmisch.
    Ein unterstützender Rhythmus: Atme langsam genug, damit Du die drei Phasen klar wahrnimmst, aber nicht so langsam, dass Anspannung entsteht.

Die Vorteile der vollständigen Yoga-Atmung

  • Die vollständige Yoga Atmung fördert die komplette Nutzung der Lungenkapazität, indem Bauch-, Brust- und Schlüsselbeinatmung in einer fließenden Bewegung miteinander verbunden werden.
  • Verbessert die Sauerstoffaufnahme durch eine umfassendere Belüftung der Lungen.
  • Hilft, verbrauchte Luft in den Lungen zu reduzieren, besonders in Verbindung mit einer vollständigen Ausatmung, sodass die nächste Einatmung tiefer und erfrischender sein kann.
  • Unterstützt geistige Klarheit und Stabilität, besonders hilfreich, wenn Du Dich geistig müde oder unkonzentriert fühlst.
  • Fördert Entspannung und inneres Gleichgewicht, da der Atem ruhig, rhythmisch und vollständig wird.

Übung 3: Wechselatmung (sanfter Einstieg)

Die Wechselatmung, auch Anuloma Viloma genannt, sollte sich stets angenehm und mühelos anfühlen, niemals angespannt. Beginne als Anfänger mit der einfachsten Variante und steigere die Übung schrittweise.

Handhaltungen (als Unterstützung für die Konzentration)

Vishnu Mudra

Vishnu Mudra (rechte Hand)

Beuge Zeige- und Mittelfinger zur Handfläche. Mit dem Daumen und dem Ringfinger kannst du die Nasenlöcher sanft schließen.

Chin Mudra

Chin Mudra (linke Hand)

Daumen und Zeigefinger berühren sich leicht, die übrigen Finger bleiben entspannt ausgestreckt.

Setze dich aufrecht und entspannt hin. Halte die Schultern locker und das Gesicht ruhig.

Variante 1: Einseitige Nasenatmung (ohne Atemanhalten)

  1. Bilde mit der rechten Hand Vishnu Mudra und schließe sanft ein Nasenloch.
  2. Atme 3 Sekunden lang durch das offene Nasenloch ein.
  3. Atme 6 Sekunden lang durch dasselbe Nasenloch aus.
  4. Wiederhole dies mehrere Atemrunden. Wechsle anschließend die Seite und übe ebenso durch das andere Nasenloch.
  5. Halte den Atem ruhig und gleichmäßig. Wenn dir das Verhältnis schwerfällt, verkürze die Zeiten.

Diese einfache Variante hilft, einen ruhigen und gleichmäßigen Atem zu entwickeln, bevor weitere Elemente hinzukommen. Eine perfekte erste Yoga Atemübung für Anfänger.

Variante 2: Wechselatmung (ohne Atemanhalten)

Dies ist der nächste Schritt nach der einseitigen Nasenatmung und wird ebenfalls ohne Atemanhalten geübt.

  1. Setze dich aufrecht und entspannt hin und bilde Vishnu Mudra mit der rechten Hand.
  2. Schließe das rechte Nasenloch mit dem Daumen und atme etwa 3 Sekunden durch das linke Nasenloch ein.
  3. Schließe nun das linke Nasenloch mit dem Ringfinger, öffne das rechte und atme etwa 6 Sekunden durch das rechte Nasenloch aus.
  4. Atme durch das rechte Nasenloch etwa 3 Sekunden ein.
  5. Wechsle wieder: Schließe das rechte Nasenloch und atme etwa 6 Sekunden durch das linke Nasenloch aus.

Das ist eine Runde. Wiederhole mehrere Runden und achte darauf, dass der Atem immer angenehm und entspannt bleibt. Wenn sich die Zeiten zu lang anfühlen, verkürze sie und halte einen ruhigen, komfortablen Rhythmus.

 

Die Vorteile der Wechselatmung

Die Wechselatmung (Anuloma Viloma) gilt als ausgleichende Atemübung – sie harmonisiert Energie und Geist durch einen ruhigen, rhythmischen Atemfluss.

  • Bringt das Nervensystem ins Gleichgewicht und kann helfen, dass Du Dich ruhiger und innerlich stabiler fühlst.
  • Fördert geistige Klarheit und Konzentration, weshalb sie sich gut als Vorbereitung auf die Meditation eignet.
  • Hilft, flache oder unregelmäßige Atemgewohnheiten zu verbessern, indem sie einen gleichmäßigen und ruhigen Atem trainiert.
  • Unterstützt einen ausgeglichenen inneren Zustand, indem sie die natürliche Atemdominanz durch jeweils ein Nasenloch harmonisiert, was oft als größere innere Stabilität und emotionale Ausgeglichenheit erlebt wird.
  • Fördert Entspannung und kann als sanfte Übung besonders am Abend dabei helfen, Körper und Geist auf Ruhe und Schlaf vorzubereiten.

Weiter zu fortgeschritteneren Atemtechniken im Yoga

Wenn sich diese grundlegenden Atemübungen natürlich anfühlen, der Atem ruhig und gleichmäßig fließt, keine Anspannung entsteht und der Geist klar und gelassen bleibt kannst du zu fortgeschritteneren Yoga-Atemtechniken übergehen. Dazu gehören beispielsweise Wechselatmung mit Atemanhalten sowie kraftvollere Praktiken wie Kapalabhati.

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