Atmung und Yoga
Die meisten Menschen atmen nicht so vollständig, wie sie eigentlich könnten. Nicht, weil ihre Lungen „schwach“ wären, sondern weil unser moderner Alltag uns unbemerkt an eine eher flache Atmung gewöhnt. Viele Stunden im Sitzen fördern nicht die tiefe, natürliche Atmung, die sich bei Bewegung ganz von selbst einstellt. Auch wenn der Körper still ist, arbeitet unser Geist weiter und unser Gehirn braucht reichlich Sauerstoff, um optimal zu funktionieren.
Yoga-Atmung bedeutet, wieder zu einem volleren, ruhigeren und gleichmäßigeren Atemrhythmus zurückzufinden. Sie bildet eine wichtige Grundlage der Yogapraxis und ist auch außerhalb der Matte von großem Wert: Eine vollständige Yoga-Atmung unterstützt Vitalität, geistige Klarheit und ein ausgeglicheneres Nervensystem.
Yogische Atmung ist eine tiefe, rhythmische Atmung, bei der alle Bereiche der Lungen genutzt werden, anstatt nur ein kleiner Teil. Wenn der Atem tiefer wird, erhöht sich die Sauerstoffaufnahme, was zu einem Gefühl von innerem „Aufladen“ führt.
Mit Yoga-Atmung lernst Du, Dein gesamtes Lungenvolumen zu nutzen, selbst wenn Du ruhig sitzt. So kann Dein Atem Dich auch im Alltag und bei der Arbeit voll unterstützen, nicht nur während körperlicher Aktivität.
Die meiste Zeit atmen wir automatisch. Diese unwillkürliche Atmung wird vom autonomen Nervensystem gesteuert. Wenn der Körper plötzlich mehr Sauerstoff benötigt, wie etwa bei anstrengender körperlicher Aktivität, z.B. Ausdauertraining oder beim schnellen Treppensteigen, wird der Atem ganz von selbst tiefer und schneller, um den erhöhten Bedarf zu decken.
Im Yoga wird besonderer Wert auf die willkürliche Atmung gelegt: das bewusste Atmen, auch dann, wenn der Körper sich nicht körperlich anstrengt. Das ist wichtig, denn nicht nur die Muskeln sind auf Sauerstoff angewiesen. Auch das Gehirn braucht ausreichend Sauerstoff, um effizient arbeiten zu können. Ist die Sauerstoffversorgung zu gering, kann die geistige Leistungsfähigkeit sinken, besonders bei langen Phasen des Sitzens und konzentrierten Arbeitens.
Vollständige Yoga-Atmung verfeinert den Atem, indem sie ihn langsamer und vollständiger werden lässt. Während man Yoga praktiziert verlangsamt sich der Atem häufig auf etwa 10–12 Atemzüge pro Minute, und in der Entspannung oder Meditation kann er sich weiter auf etwa 6–8 Atemzüge pro Minute reduzieren. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der vollständigen Ausatmung: möglichst viel verbrauchte Luft wird ausgeatmet, sodass die nächste Einatmung tiefer erfolgen kann. Wenn weniger verbrauchte Luft in den Lungen zurückbleibt, kann sich die frisch eingeatmete, sauerstoffreiche Luft besser damit vermischen und die Körperzellen werden optimaler mit Sauerstoff versorgt.
Zwei häufige Ursachen für falsches Atmen stechen besonders hervor: Lebensgewohnheiten und Stress.
Wenn sich der Körper wenig bewegt, entsteht auch kein natürlicher Impuls für eine tiefere Atmung. Mit der Zeit wird eine flache Atmung zur Gewohnheit – einfach, weil sie sich Tag für Tag wiederholt und der Impuls für tiefe Atmung fehlt.
Stress führt häufig dazu, dass sich der Bauchraum und die Gegend um den Solarplexus anspannen. Ist dieser Bereich angespannt, wird die natürliche Bewegung des Zwerchfells eingeschränkt, und der Atem verlagert sich nach oben in den Brust- und Schlüsselbeinbereich. Auch gewohnte oder schädliche Körperhaltungen wie den Bauch einzuziehen und gleichzeitig die Brust herauszustrecken, können solche Atemmuster verstärken. Das Ergebnis ist eine flache Atmung, obwohl Körper und Geist von einer tieferen Atmung deutlich profitieren würden.
Richtige Atmung beim Yoga umfasst drei verschiedene Atemformen:
Viele Erwachsene nutzen im Alltag hauptsächlich die Brust- und Schlüsselbeinatmung. Die 3 Stufen Atmung beim Yoga stellt wieder ein vollständigeres Atemmuster her, das sowohl Vitalität als auch innere Ruhe unterstützt.
Ein vollerer Atem verändert mehr als nur deine Lungen, er beeinflusst auch deinen Geisteszustand. Die folgenden Übungen helfen dir, einen ruhigen und zugleich kraftvollen Atemrhythmus zu entwickeln, auf den du sowohl in deiner Yogapraxis als auch im Alltag zurückgreifen kannst.
Prana und Pranayama (Lebensenergie und Atemlenkung)
Erfahre, was Prana bedeutet, was unter Pranayama Atemtechnik verstanden wird und warum die bewusste Regulierung des Atems als direkter Weg gilt, Energie und Geist zu beeinflussen.
Klare, einsteigerfreundliche Atemübungen wie die vollständige Yoga-Tiefenatmung und Anuloma Viloma (Wechselatmung). Yoga-Atmung lernen mit sanften Herangehensweise.
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