3 Körper, 5 Hüllen
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Eine yogische Sicht des Menschen
Während viele Menschen sich fragen, ob es überhaupt so etwas wie eine Seele gibt, ist die yogische Sichtweise klar und erfahrungsbasiert. Ein Yogi sagt nicht: „Ich bin der Körper“, sondern vielmehr: „Ich bin eine Seele, die sich durch einen Körper ausdrückt.“ Nach der Yoga-Philosophie ist der Körper das Fahrzeug der Seele auf ihrem Weg zur Erleuchtung.
Dieses Verständnis verändert unsere Perspektive grundlegend. Anstatt den Körper als unsere wahre Identität zu betrachten, lehrt uns Yoga, ihn als ein Werkzeug zu sehen – vergänglich, nützlich und dazu bestimmt, verfeinert zu werden. Die Yoga-Philosophie spricht nicht von nur einem Körper, sondern von drei Körpern, der eine jeweils feinstofflicher als der vorhergehende. Durch diese Körper bringt sich die Seele in unterschiedlichen Bewusstseinszuständen zum Ausdruck.
Ergänzend dazu erklärt Vedanta, dass diese Körper aus fünf Koshas, oder Hüllen, bestehen. Diese verhüllen unsere wahre Natur, des Selbst. Das Ziel des Yoga ist daher nicht nur körperliches Wohlbefinden, sondern das schrittweise Erkennen der Seele jenseits aller ihrer Fahrzeuge und Hüllen.
Die drei Körper beschreiben die wesentlichen Ebenen, durch die die Seele wirkt und das Leben wahrnimmt.
Der physische Körper ist das äußerste und am leichtesten wahrnehmbare Fahrzeug der Seele. Er entsteht aus Nahrung, wird durch Nahrung erhalten und kehrt schließlich wieder in die Elemente zurück. Daher wird er als Teil des Nahrungskreislaufs betrachtet. Dieser Körper wird ausschließlich im Wachzustand erfahren. Durch ihn nehmen wir die äußere Welt wahr, handeln und gestalten unseren Alltag. Yoga erkennt den physischen Körper als notwendiges Instrument an, betont jedoch klar, dass er nicht das Selbst ist. Der physische Körper ist etwas, das beobachtet, geschult und gereinigt werden kann, aber nicht der eigentliche Erfahrende ist.
Jenseits des physischen Körpers liegt der Astralkörper, das zweite Fahrzeug der Seele. Dieser ist subtiler und für das physische Auge nicht sichtbar, doch er spielt eine zentrale Rolle in unserer Wahrnehmung. Der Astralkörper besteht aus der Lebensenergie, dem Prana, ebenso wie der Sinne, dem Geist und dem Intellekt. Prana fließt durch feine Energiekanäle, die Nadis, und belebt Körper und Geist. Gedanken, Emotionen, Wünsche und Sinneseindrücke gehören zu dieser Ebene. Der Astralkörper wird sowohl im Wachzustand als auch im Traumzustand erfahren. Während der physische Körper im Schlaf ruht, bleibt der Astralkörper aktiv und erzeugt Träume sowie innere Erfahrungen. In ihm werden auch Eindrücke und Tendenzen gespeichert, die sich von einem Leben ins nächste fortsetzen.
Der Kausalkörper ist der tiefste und subtilste der drei Körper. Er ist der Ursprung, aus dem der physische Körper und der Astralkörper hervorgehen. In ihm liegen die latenten Eindrücke sowie die Unwissenheit, Avidya, die die unmittelbare Erkenntnis des Selbst verdeckt. Auf dieser Ebene werden Glück und Freude in allen drei Bewusstseinszuständen erfahren – im Wachen, Träumen und im Tiefschlaf. Besonders im Tiefschlaf ziehen sich Geist und Sinne zurück, und es entsteht ein natürlicher Zustand von Ruhe und Frieden. Da jedoch die Unwissenheit weiterhin besteht, ist dieser Frieden nur vorübergehend, und das Gefühl der Individualität kehrt beim Erwachen zurück. Befreiung wird erst erlangt, wenn auch der Kausalkörper durch Selbsterkenntnis und Wissen überwunden wird.
Innerhalb dieser drei Körper befinden sich die fünf Koshas, die feinen Hüllen, welche das Licht des Selbst verhüllen. Ähnlich wie mehrere Stoffschichten eine Lampe verdecken können, ohne das Licht selbst zu verändern, verdecken diese Hüllen die wahre Natur des Selbst.
Die Annamaya Kosha, die Nahrungshülle, ist die physische Hülle, die aus Nahrung besteht und durch Nahrung erhalten wird. Sie umfasst Muskeln, Knochen, Organe und alle materiellen Strukturen des Körpers und entspricht dem physischen Körper. Die Identifikation mit dieser Hülle führt zu der Vorstellung „Ich bin der Körper“. Yoga beginnt damit, diese Identifikation behutsam zu lösen.
Die Pranamaya Kosha besteht aus Prana, der Lebensenergie, die alle Lebensprozesse aufrechterhält. Sie steuert Atmung, Kreislauf und alle energetischen Bewegungen und verbindet Körper und Geist. Diese Hülle gehört zum Astralkörper.
Die Manomaya Kosha, umfasst den Geist und die Sinnesfunktionen. Sie ist der Sitz von Emotionen, Wünschen sowie Vorlieben und Abneigungen. Unruhe und emotionale Schwankungen entstehen auf dieser Ebene. Auch diese Hülle gehört zum Astralkörper.
Die Vijnanamaya Kosha ist die Hülle der Erkenntnis und Unterscheidungsfähigkeit. Sie ermöglicht Reflektion, Entscheidungsfindung und spirituelle Erkenntnissuche. Hier entsteht auch das Gefühl einer individuellen Identität sowie moralisches Urteilsvermögen. Auch sie ist Teil des Astralkörpers.
Die Anandamaya Kosha ist die feinste Hülle und wird dem Kausalkörper zugeordnet. Sie wird als Zustand von Freude, Frieden und Zufriedenheit erfahren, insbesondere im Tiefschlaf und in der Meditation. Doch auch diese Glückseligkeit ist eine Hülle, da sie entsteht und wieder vergeht.
Jenseits der drei Körper und der fünf Koshas liegt der Atman, das wahre Selbst. Er ist der stille Beobachter aller Zustände – des Wachens, Träumens und Tiefschlafs – und bleibt unberührt von Geburt und Tod, Freude und Leid.
Vedanta lehrt, dass man durch Unterscheidungskraft und der Praxis von „Neti, Neti“ („nicht dies, nicht das“) nach und nach die Identifikation mit den Hüllen der Seele aufgibt und seine wahre Natur als reines Bewusstsein erkennt.
Yoga bietet praktische Mittel, um die verschiedenen Ebenen des Seins zu verfeinern:
Wenn sich die Identifikation mit den Körpern und Hüllen auflöst, erkennt sich die Seele als das, was sie immer ist: frei, vollkommen und unveränderlich.